Wir machen mobil - Rolli-Reisen im Eichsfeld

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Pressespiegel

 Mit dem Duo flott durchs Eichsfeld flitzen

Wer glaubt, mit einer Limousine der Luxusklasse oder einem schnittigen Sportwagen die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen zu können, für den gibt es eine Steigerungsmöglichkeit, die ihn in basses Erstaunen setzen wird.

   Auf drei Rädern zu den Attraktionen des Eichsfeldes: Tageblatt-Redakteur Sebastian Rübbert unterwegs im Simson-Duo.                                                                                                                                      

Eigner derartiger Nobelkarossen sollten einmal in einem Simson-Duo Platz nehmen, Gas geben und sich ins Verkehrsgewühl stürzen: Ständig werden sie von begeisterten Bürgern mit zustimmendem Winken gegrüßt, gelegentliches Klatschen ist nicht zu überhören, und auf den meisten Gesichtern zeichnet sich zumindest ein freudig-überraschtes Lächeln ab. Nostalgie ist eben Trumpf.

Mit insgesamt drei Duos erweitert der Förderkreis für das Rolliwandern im Eichsfeld jetzt sein Angebot. Bislang liegen beispielsweise am Seeburger See die so genannten Paraboote, die von Rollstuhlfahrern problemlos bestiegen und bewegt werden können, außerdem bietet der Arbeitskreis Mietrollstühle mit vorgespannten Hand- und Elektrobikes an, die am Kolping-Paradies auf dem Pferdeberg stationiert sind. Angeboten werden diverse Touren durchs Eichsfeld, die nahezu alle Attraktionen der Region berühren – angefangen vom Grenzlandmuseum bis hin zum Bärenpark in Worbis.

Was aber ist ein Simson-Duo eigentlich? Bürger der ehemaligen DDR wissen Bescheid. Als Grundelement gibt es das Moped Schwalbe der Motorradfabrik Simson. Verwandelt wird diese Basis zu einem dreirädrigen cabrioartigen Gefährt, das über eine Sitzbank für zwei, eine Frontscheibe sowie über eine Rundumkarosserie verfügt, die durchaus gefallen kann. Das ganze wurde in der DDR einst als Fortbewegungsmittel für Menschen mit Behinderungen angeboten.

Wer Gas gibt, der wird allein am deftigen Knetern merken, was da für ein Motor in Gang kommt: ein waschechter Zweitakter mit einer wahrhaft imposanten Geräuschkulisse und unauffälligen 3,5 Pferdestärken, die das urige Gefährt bis auf etwa 50 Stundenkilometer beschleunigen. Drei solcher Simson Duos hat der Förderkreis für Rolliwandern im Eichsfeld inzwischen restaurieren und technisch auf neuesten Stand bringen lassen. Sie können auch von Rollifahrern genutzt werden, denn die Sitzbank ist von der Beifahrerseite her gut zu erklimmen. Pedale gibt es nicht, alle Fahrfunktionen werden über eine Art erweiterten Steuerrad-Block gesteuert: Lenkung, Bremse, Zündung, Blinker. Außen liegen Anlasser, Handbremse und Gangschaltung.

Das Steuern eines solchen Duos sollte aber vor der ersten Ausfahrt ein wenig geübt werden, denn der Fahrer muss alle fünf Sinne und zudem eine kräftige Hand walten und schalten lassen, um das dreiräderige, gern ein wenig schlingernde Gefährt sicher in der Spur zu halten. Eine Einweisung gibt der Autoservice Bauer, Bergstraße 39, in Teistungen, wo die Duos stationiert sind und gewartet werden. Für einen halben Tag fallen zwölf Euro Miete an, für einen ganzen Tag acht Euro mehr.

Wer sich für eines der Angebote zum Rolliwandern interessiert, kann sich an die Gäste-Information im Rathaus Duderstadt, Telefon 055 27/84 12 00, wenden.

Von Sebastian Rübbert

 

Aus dem Rollstuhl ins Ruderboot steigen

Seeburg. 30.04.2007 (dpa) - Für Willi Klingebiel ist es ein besonderer Tag: Erstmals seit rund 20 Jahren schippert der 60-Jährige aus Duderstadt mit einem Boot gemütlich über den Seeburger See in Niedersachsen.

Klingebiel ist Rollstuhlfahrer und kann seit diesem Wochenende mit einem so genannten Paraboot für Behinderte das Gewässer im Eichsfeld erkunden. Zwei dieser speziellen Amphibienfahrzeuge für Menschen mit unterschiedlichen Handicaps können an dem Ausflugsziel ausgeliehen werden. Sie sind nach Angaben des örtlichen Tourismusverbandes deutschlandweit erstmals in Einsatz.

«Die Boote sind kippsicher und stabil. Darin fühle ich mich völlig sicher», sagt Klingebiel. Er stoppt seinen Rollstuhl direkt neben dem Boot, das noch an Land steht. (Bild: dpa)

Ohne fremde Hilfe steigt er in das Amphibienfahrzeug ein. Dann wird das zweisitzige Spezialboot ins Wasser geschoben und los geht die Fahrt. Vor zwei Jahren hat der Behindertenbeauftragte der Stadt Duderstadt das Projekt «Barrierefreies Reisen durch das Eichsfeld» ins Leben gerufen. Er möchte die Menschen zum Reisen motivieren - auch diejenigen mit Handicap. Und eine Fahrt auf dem See gehöre einfach dazu, sagt er.

Die Paraboote können sowohl an Land als auch im Wasser fahren und gesteuert werden. Sie sind knapp fünf Meter lang und erreichen - je nach Einsatz des Fahrers - eine Geschwindigkeit von bis zu zwölf Kilometern pro Stunde. Angetrieben werden sie per Hand über große Schaufelräder. Diese Räder sorgen auch dafür, dass das Boot langsam vom Land ins Wasser rollt. Je nach Behinderungsgrad können sie individuell auf den Fahrer eingestellt werden.

Für die regionale Entwicklung des Eichsfelds werden diese Spezialboote eine Magnetwirkung haben ist sich Carsten Basdorf vom Stadtmarketing Duderstadt sicher. «Wir möchten in der Region familienfreundlich sein und attraktive Angebote für Senioren und Menschen mit Handicap entwickeln», sagt Basdorf. Die neuen Boote könnten auch von Eltern mit kleinen Kindern oder älteren Menschen genutzt werden, denen die herkömmlichen Ruderboote zu wackelig sind. Rund 8000 Euro kostet ein solches Amphibienfahrzeug. Die mechanischen Teile der Boote werden vom Handgriff bis zu den Schaufelrädern in der Schweiz produziert und montiert. Eine deutsche Firma stellt den Bootskörper her. Sponsoren haben den Kauf der zwei Paraboote, die ab sofort über den Seeburger See fahren, ermöglicht.

Das neue Angebot auf jeden Fall nutzen will Eduard Monzen. Der 76- Jährige aus dem Eichsfeld kennt das Gewässer aus früheren Zeiten sehr gut. Doch seit er im Rollstuhl sitzt, musste er auf seine geliebten Ausflüge in dem Biotop für Zug- und Brutvögel verzichten. «Das ist eine tolle Sache mit den Booten. Ich werde ganz oft auf den See fahren», sagt der Senior und strahlt.                                                     (Bild:dpa)

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